„In der Fachsprache der Musiker wird das Langsamerwerden zum Beispiel als ,Ritardando‘ bezeichnet; und ein solches hat auch Kirstin Breitenfellner in einem Gedicht ihres Bandes ,reger reigen‘ (Passagen Verlag, Wien) komponiert - nicht mit Tönen, sondern mit Worten, die sowohl schön klingen, als auch an vergleichbare Vorläufer anklingen. So hört der Rezensent in "ritardando" ganz von ferne einen leisen Artmann-Ton:
die bäume greifen
aus ins feld
sie stehen fest
der regen fällt
die früchte reifen
ein das jahr
die müdigkeit
kämpft aus sich klar
die blumen ranken
ein das kraut
und auf den blanken
gräsern staut
gedanken-
schwer der schnee
und baut
ein haus
so schön
Mit solch betörenden Strophen im Ohr darf man den Sinn getrost ein wenig vernachlässigen, und sich das Ganze wie ein Lied ohne Töne vorstellen.“
Hermann Schlösser, Wiener Zeitung, 5.11.2017